Singen im Hegau wird von einem der markantesten Wahrzeichen der Region überragt: dem Hohentwiel, einem erloschenen Vulkan mit einer der größten Festungsruinen Deutschlands — und ist gleichzeitig eine Stadt, deren Gesicht die Industriegeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts geprägt hat wie kaum eine andere am Bodensee.
Als „Sisinga" wird die Siedlung erstmals 787 in einer Urkunde des Klosters St. Gallen erwähnt. Die edelfreien Herren von Singen residierten ab 1087 zunächst in Niedersingen, bevor sie 1122 auf den Hohentwiel zogen und dort eine der mächtigsten Festungen Süddeutschlands errichteten. Über Jahrhunderte blieb Singen dennoch nur ein kleines Dorf unter wechselnden Herrschaften — von den Herren von Friedingen über die Familien von Fulach, von Klingenberg und von Bodman bis hin zu Österreich. Der entscheidende Wandel kam erst mit der Industrialisierung: Die Eröffnung der Eisenbahnstrecken Waldshut–Konstanz (1863), Offenburg–Engen–Singen (1866) und Winterthur–Etzwilen–Singen (1875) machte Singen zu einem bedeutenden Eisenbahnknotenpunkt. Am 11. September 1899 verlieh der badische Großherzog Friedrich I. der aufstrebenden Stadt schließlich die Stadtrechte.
1887 verlegte der Schweizer Unternehmer Julius Maggi die Abfüllung seiner Würze nach Singen — zunächst ein kleiner Betrieb, wuchs die Fabrik durch hohe Nachfrage und intensive Markenwerbung rasant: Um 1900 beschäftigte das Maggi-Werk bereits rund 450 Menschen. 1895 folgte mit der Aktiengesellschaft der Eisen- und Stahlwerke Georg Fischer ein zweiter Großbetrieb für Temperguss-Fittings, 1912 kamen mit den Aluminium-Walzwerken die dritten bedeutenden Werke hinzu. Diese drei Unternehmen prägten Singens Aufstieg vom Dorf zur Industriestadt binnen weniger Jahrzehnte und sind bis heute Teil der Stadtidentität, auch wenn sich ihre Bedeutung seither gewandelt hat.
Bildquelle: Foto: Luca-bs, „Herz-Jesu-Kirche Singen (Hohentwiel) 01“ auf Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0, Ausschnitt)
Die Festungsruine auf dem Hohentwiel zählt zu den eindrucksvollsten Ausflugszielen im gesamten Hegau. Der 914 erstmals erwähnte Bergkegel — ein erloschener Vulkan — war im 10. Jahrhundert Sitz der schwäbischen Herzöge, bevor die Anlage 1800/1801 von französischen Truppen gesprengt wurde und seither als Ruine über der Stadt thront. Der Aufstieg wird mit einem weiten Panoramablick über die vulkanische Hegau-Landschaft bis zum Bodensee und in die Schweizer Alpen belohnt. Auf den Hängen des Hohentwiel wird zudem in über 500 Metern Höhe Wein angebaut — die höchstgelegene Weinlage Deutschlands.
Einen ganz anderen, aber ebenso spannenden Einblick bietet das Maggi-Museum im sogenannten „Gütterli-Hüsli": Auf einer Zeitreise durch die Industrie- und Esskultur-Geschichte erzählt es die Erfolgsgeschichte von Julius Maggi, einem Pionier der industriellen Lebensmittelproduktion. Im ehemaligen Schloss, das 1809/1810 nach Plänen von Hans Konrad II. Vogler errichtet wurde, ist heute das archäologische Hegau-Museum mit Funden von der Eiszeit bis ins Frühmittelalter untergebracht. Das Kunstmuseum Singen widmet sich klassischer Moderne und zeitgenössischer Kunst, während das Museum Art & Cars klassische Automobile mit Kunst der Moderne kombiniert. Auch im Rathaus lohnt ein Blick: Die Wandbilder „Krieg und Frieden" und „Adam und Eva" des Malers Otto Dix, der die letzten Jahrzehnte seines Lebens im nahen Hemmenhofen am Bodensee verbrachte, zählen zu den bedeutendsten Kunstwerken der Stadt.
Die vulkanische Hegau-Landschaft rund um Singen mit ihren markanten Kegelbergen lädt zu ausgedehnten Wanderungen ein, während der Bodensee und die Schweizer Grenze nur wenige Kilometer entfernt liegen. Die Innenstadt bietet Einkaufsmöglichkeiten und Gastronomie für einen Zwischenstopp abseits der Natur. Mit im bundesweiten Vergleich außergewöhnlich vielen Sonnenstunden im Jahr zählt die Region um Singen zu den sonnenverwöhntesten Gegenden Deutschlands, was dem Weinbau am Hohentwiel ebenso zugutekommt wie Ausflügen in die umliegende Landschaft.
Als Bahnknotenpunkt ist Singen ausgezeichnet an die Region angebunden, was Ausflüge zum Bodensee, in den Hegau und in die Schweiz auch ohne eigenes Auto erleichtert. Mit rund 48.000 Einwohnern ist Singen nach Konstanz und Friedrichshafen eine der größeren Städte der Bodenseeregion, auch wenn sie selbst nicht direkt am Ufer liegt. Der markante, vollverglaste Hegau-Tower des Architekten Helmut Jahn setzt seit 2008 mit 18 Geschossen einen unverkennbaren modernen Akzent im ansonsten von der Festungsruine dominierten Stadtbild.
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