Bildquelle: Foto: Flodur63, „Weißensberg, LI - Wildberg v NO, Säntis 01“ auf Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0, Ausschnitt)
Weißensberg (auch Weissensberg geschrieben) liegt im bayerischen Hinterland von Lindau im Westallgäu und bietet dank seiner leicht erhöhten Lage schöne Ausblicke auf die Alpen und den Bodensee, bei gleichzeitig kurzen Wegen in die Inselstadt.
Bereits zur Römerzeit verlief durch das Gebiet des heutigen Weißensberg eine wichtige Handelsroute — mehr als tausend Jahre, bevor der Ort erstmals urkundlich erwähnt wurde. Der früheste schriftliche Beleg für die Pfarrei Weißensberg stammt aus einem Vertrag vom 20. Mai 1264 zwischen der Äbtissin des Damenstifts und einem Lindauer Bürger. 1383 verkaufte Eberhard von Summerau die Herrschaft über Weißensberg an das Spital der Stadt Lindau, in dessen Einflussbereich der Ort damit über Jahrhunderte blieb.
Wann genau die erste Kirche in Weißensberg errichtet wurde, ist nicht überliefert, doch für 1477 ist ein Erweiterungsbau dokumentiert, bei dem auch der Turm seine heutige Höhe erhielt — der Turm selbst stammt vermutlich bereits aus der Zeit um das Jahr 1000 und diente wohl ursprünglich als Wachturm. Weitere Erweiterungen folgten 1640, ehe zwischen 1742 und 1745 eine reich ausgestattete barocke Wallfahrtskirche entstand, die bis heute das geistliche Zentrum des Orts bildet. Die Jahrhunderte alte Bausubstanz aus Wachturm, spätmittelalterlichem Kern und barocker Erweiterung macht die Kirche zu einem anschaulichen Zeugnis der wechselvollen Ortsgeschichte.
Bildquelle: Foto: Richard Mayer, „Weißensberg St.Markus“ auf Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0, Ausschnitt)
Als weithin sichtbares Wahrzeichen thront zudem Schloss Weißensberg, ein imposanter Bau aus dem 17. Jahrhundert, über der Gemeinde. Das Schloss ist bis heute in Privatbesitz und nicht öffentlich zugänglich, prägt mit seiner markanten Silhouette jedoch das Ortsbild und gibt von außen einen Einblick in die bewegte Geschichte der Region.
Die Weißensberger Halde mit ihrer Kapelle auf 540 Metern Höhe liegt am Schwäbisch-Bayerischen Jakobsweg und zählt zu den schönsten Aussichtspunkten am gesamten Bodensee. Die kleine Kapelle geht auf ein Gelübde zurück: Nachdem Erzherzogin Auguste Ferdinande von Österreich sich zur Genesung auf der Halde aufgehalten hatte, ließen ihr Ehemann, Prinz Luitpold von Bayern, und ihre Kinder 1870 zum Dank eine Kapelle errichten. 1982 wurde das kleine Bauwerk in bürgerschaftlichem Einsatz sorgfältig vermessen, abgetragen, originalgetreu wieder aufgebaut und am 15. August desselben Jahres feierlich neu geweiht. Eine Panoramatafel an der Kapelle hilft dabei, die umliegenden Alpengipfel zu identifizieren.
Wiesen und Streuobstwiesen prägen die Umgebung der Gemeinde, die sich ihren ländlichen Charakter trotz der Nähe zu Lindau bis heute bewahrt hat. Wanderwege rund um Weißensberg nutzen gezielt die erhöhte Lage für weite Ausblicke über den See bis zu den Alpen, während gut erhaltene Bauernhäuser am Ufer von der landwirtschaftlichen Geschichte der Region erzählen. Der Schwäbisch-Bayerische Jakobsweg durchquert die Gemeinde auf seinem Weg von Weitnau über Grünenbach, Weiler und Lindenberg bis nach Lindau und weiter an den See — ein beliebter Pilger- und Wanderweg, der besonders im Frühling durch die blühenden Obstbaumwiesen des Westallgäus führt.
Trotz seiner ländlichen Prägung ist Weißensberg auch wirtschaftlich aktiv: Mit der Friotherm Deutschland GmbH, einem Unternehmen der Gebäudetechnik, hat sich hier ein größerer Arbeitgeber angesiedelt, und rund 1.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte arbeiten in der Gemeinde. Daneben spielen kleinere Betriebe aus Obstverarbeitung und Likörherstellung eine Rolle, die die landwirtschaftliche Tradition der Streuobstwiesen bis heute fortführen.
Die historische Inselstadt Lindau mit ihrem berühmten Hafen ist von Weißensberg aus in kurzer Zeit erreichbar — wer tagsüber die Sehenswürdigkeiten Lindaus genießen und abends die Ruhe des Hinterlands schätzen möchte, ist hier gut aufgehoben. Mit rund 2.700 Einwohnern ist Weißensberg bis heute überschaubar geblieben und hat sich neben der Landwirtschaft auch als ruhiger Wohnstandort im Grünen etabliert, von dem aus sich sowohl der Bodensee als auch die Allgäuer Landschaft gut erschließen lassen.
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