Bildquelle: Foto: JoachimKohler-HB, „Angeln auf dem Untersee (Bodensee) - 2014“ auf Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0, Ausschnitt)
Die größte Insel im Bodensee zählt seit dem Jahr 2000 zum UNESCO-Weltkulturerbe und gehört zu den geschichtsträchtigsten Orten der gesamten Region.
Um das Jahr 724 gründete der Wanderbischof Pirmin auf der Insel ein Kloster, das sich rasch zu einem der bedeutendsten geistigen und künstlerischen Zentren des frühmittelalterlichen Europas entwickelte. Unter Äbten wie dem Gelehrten und Dichter Walahfrid Strabo, der die Abtei von 842 bis 849 leitete, sowie dem späteren Mainzer Erzbischof Hatto I., der von 888 bis 913 amtierte, stand Reichenau in engem Kontakt zu den Kaiserhöfen. Diese herausragende Stellung endete erst mit der Säkularisation zu Beginn des 19. Jahrhunderts.
Im Jahr 2000 nahm die UNESCO die Klosterinsel als herausragendes Beispiel für die religiöse und kulturelle Rolle eines großen Benediktinerklosters im Mittelalter in die Liste des Weltkulturerbes auf. 2003 folgte eine weitere Auszeichnung: Die berühmten, in den Klosterwerkstätten entstandenen Reichenauer Buchmalereien wurden von der UNESCO als Weltdokumentenerbe anerkannt.
Bildquelle: Foto: Hilarmont, „Kloster Reichenau (Foto Hilarmont)“ auf Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0 DE, Ausschnitt)
Zeugnis der reichen Vergangenheit geben bis heute drei romanische Kirchen der Insel: das Münster St. Maria und Markus in Mittelzell, dessen ältester Teil bereits 816 geweiht wurde, mit seinem Kirchenschatz; St. Georg in Oberzell, ab 888 errichtet und berühmt für seine gut erhaltenen ottonischen Wandmalereien aus dem 10. Jahrhundert; sowie St. Peter und Paul in Niederzell, dessen Ursprünge auf das 8. Jahrhundert zurückgehen und das im 11. und 12. Jahrhundert seine heutige Gestalt erhielt. Alle drei Kirchen können im Rahmen eines Inselrundgangs besichtigt werden.
Die Insel gliedert sich in die drei Ortsteile Mittelzell, Oberzell und Niederzell, die sich als lockere Streusiedlungen ohne ausgeprägten Ortskern über die gesamte Insel verteilen. Mittelzell mit dem Münster ist zugleich der Verwaltungssitz und der größte der drei Orte, während Niederzell am Nordende der Insel der kleinste ist. Diese Dreiteilung spiegelt bis heute die frühmittelalterliche Struktur der Klosterinsel wider, auf der sich Wohnen, Landwirtschaft und geistliches Leben seit jeher eng berühren.
Neben dieser reichen Geschichte ist die Insel bis heute vor allem für ihren Gemüseanbau bekannt: Ein erheblicher Teil der 444 Hektar großen Insel wird landwirtschaftlich genutzt, was Reichenau den Beinamen "Gemüseinsel" eingebracht hat. Ursprünglich war der Weinbau die wichtigste landwirtschaftliche Nutzung der Insel, im Laufe der Zeit verlagerte sich der Schwerpunkt jedoch zunehmend auf Gemüse- und Obstanbau. Ein Spaziergang oder eine Radtour über die autoarme Insel verbindet so Kulturgeschichte mit dem Blick auf blühende Felder, Gewächshäuser und den See ringsum. Bereits die Klostermönche legten hier einen Kräutergarten zur Selbstversorgung an, der als Ursprung des bis heute prägenden Gemüsebaus gilt — mittlerweile ernten die Reichenauer Betriebe jährlich rund 16.000 Tonnen frisches Gemüse, über ein Drittel davon in Bio-Qualität, und versorgen damit die gesamte Bodenseeregion.
Die Erzeugnisse der Insel — von Gemüse über Obst bis zu Wein — finden sich in zahlreichen Hofläden und Restaurants der Insel wieder. Ein Spaziergang über die Felder zeigt, wie intensiv die kleine Insel mit ihren gut 5.000 Einwohnern bis heute landwirtschaftlich genutzt wird.
Die Insel ist seit 1838 über einen von einer Pappelallee gesäumten Damm mit dem Festland verbunden und lässt sich bequem mit dem Auto, Fahrrad oder Bus erreichen — ein Großteil der Insel selbst ist autoarm gehalten, was Spaziergänge und Radtouren besonders angenehm macht.
Von Frühling bis Herbst zeigt sich die Insel in ständig wechselnder Farbenpracht, während die drei historischen Kirchen und das Kloster ganzjährig besichtigt werden können. Am Ufer laden mehrere kleine Badestellen im Sommer zum Baden ein.
Wer länger bleiben möchte, findet auf der Insel selbst sowie im nahen Konstanz zahlreiche Übernachtungsmöglichkeiten — von dort ist auch die restliche Bodenseeregion gut zu erreichen.
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