Die historische Altstadt von Lindau liegt komplett auf einer Insel im Bodensee und gilt vielen als schönste Stadt am See — ein Ort, an dem bayerisches Flair auf mediterranes Seeklima trifft.
Erstmals urkundlich erwähnt wird Lindau im Jahr 882 als „Lindoua", wobei die Gründung eines Kanonissenstifts durch Adalbert von Rätien bereits um 810 bis 820 erfolgt sein dürfte. 1079 wurde der Markt aus Sicherheitsgründen vom Festlandsort Aeschach auf die Insel verlegt, die Keimzelle der heutigen Altstadt. 1274 bestätigte König Rudolf I. die Stadtrechte und erhob Lindau zur Reichsstadt, die sich 1376 dem Schwäbischen Städtebund anschloss. Höhepunkt der reichsstädtischen Geschichte war der Reichstag unter Kaiser Maximilian I., der 1496/97 im Lindauer Rathaus tagte. 1528 wurde die Stadt evangelisch, bevor sie 1803 im Zuge des Reichsdeputationshauptschlusses ihren Reichsstadtstatus verlor und 1806 an das Königreich Bayern fiel.
Der berühmte Hafeneingang mit dem bayerischen Löwen auf der einen und dem 1856 errichteten Neuen Leuchtturm, dem südlichsten Leuchtturm Deutschlands, auf der anderen Seite ist eines der meistfotografierten Motive der gesamten Bodenseeregion. Enge Gassen, hübsche Giebelhäuser und zahlreiche Cafés prägen die weitgehend autofreie Altstadt, die über eine Brücke und einen Eisenbahndamm mit dem Festland verbunden ist. Das Alte Rathaus mit seiner reich bemalten Fassade erinnert an den Reichstag von 1496/97, während im Haus zum Cavazzen, einem nach dem Stadtbrand von 1827 errichteten Barockbau, heute das Stadtmuseum untergebracht ist. Auch das katholische Münster „Unserer Lieben Frau" und die um 1180 erbaute evangelische Kirche St. Stephan zählen zu den sehenswerten Sakralbauten der Insel.
Bildquelle: Foto: Rakoon, „20230530 100837 May 2023 in Germany“ auf Wikimedia Commons (CC0, Ausschnitt)
Die romanische Peterskirche aus dem 11. Jahrhundert gilt als ältestes Gotteshaus der Stadt und beherbergt bedeutende spätgotische Wandmalereien, die teils Hans Holbein dem Älteren zugeschrieben werden, darunter die als „Lindauer Passion" bekannte Bilderfolge zur Passion Christi. Gleich daneben, am höchsten Punkt der Insel, erhebt sich seit dem späten 14. Jahrhundert der Diebsturm, der einst als Wachturm diente und später als Gefängnis genutzt wurde.
Weltweite Bekanntheit erlangt Lindau zudem jährlich durch die Lindauer Nobelpreisträgertagungen: Seit 1951 kommen hier Nobelpreisträger und Nachwuchswissenschaftler aus aller Welt zusammen, um sich über aktuelle Forschung auszutauschen — eine Tradition, die Lindau einen festen Platz in der internationalen Wissenschaftswelt sichert. Die Tagungen finden traditionell in der Inselhalle statt, die zuletzt 2018 erneuert wurde.
Bereits 1824 wurde Lindau an das Dampfschifffahrtsnetz des Bodensees angeschlossen, 1838 nahm mit der DS Ludwig das erste eiserne Dampfschiff des Sees hier seinen Dienst auf. 1854 erhielt die Insel als Endpunkt der Ludwigs-Süd-Nord-Bahn eine Eisenbahnanbindung über den bis heute genutzten Bahndamm, 1872 folgte die Streckenverlängerung in Richtung Bregenz. Historisch war Lindau vor allem als Handelsstadt für Wein, Obst, Gemüse, Flachs und Hanf sowie für den Fernhandel mit dem Süden bedeutend; heute prägt der Tourismus die Wirtschaft der rund 25.700 Einwohner zählenden Stadt.
Die Uferpromenade lädt zum Flanieren mit Blick auf die Alpen ein, während zahlreiche Ausflugsschiffe von Lindau aus zu den umliegenden Bodensee-Orten sowie in die Schweiz und nach Österreich verkehren. Auch der Inselbadestrand direkt an der Altstadt lädt im Sommer zum Baden ein.
Die Altstadt von Lindau ist gesäumt von Cafés, Eisdielen und Restaurants mit Seeblick, die sowohl bayerische als auch mediterran inspirierte Küche anbieten. Der Wochenmarkt in der Altstadt bietet regionale Produkte aus dem Bodenseeraum, von frischem Obst und Gemüse bis zu Fisch aus dem See, und lädt zum Bummeln zwischen den Marktständen ein.
Von Lindau aus lassen sich mit dem Schiff bequem zahlreiche Ziele in Deutschland, Österreich und der Schweiz erreichen — die Stadt gilt vielen als idealer Ausgangspunkt, um die gesamte Dreiländerregion des Bodensees zu erkunden. Die Insel selbst ist mit ihren rund 2.800 Einwohnern auf nur 0,69 Quadratkilometern erstaunlich dicht besiedelt, während zum gesamten Stadtgebiet einschließlich der Festlandteile rund 25.700 Menschen zählen.
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