Bildquelle: Foto: Dietrich Krieger, „Jaegerstand sipplingen bodensee“ auf Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0, Ausschnitt)
Das kleine Winzerdorf liegt malerisch zwischen dem Bodensee und dem bewaldeten Höhenzug des Höchsten, dem mit rund 834 Metern höchsten Punkt am deutschen Bodenseeufer.
Sipplingen zählt zu den ältesten Siedlungsplätzen am Bodensee: Bereits zwischen etwa 3900 und 900 vor Christus siedelten hier Menschen in Pfahlbauten am Ufer, wie zahlreiche archäologische Funde belegen — 2008 entdeckten Taucher sogar eine geflochtene Sandale aus Lindenbast, die auf die Zeit um 2900 vor Christus datiert wird. Urkundlich erwähnt wird der Ort als „Sipelingen" erstmals 1155 in einer Urkunde Kaiser Friedrichs I. Barbarossa. 1582 verlieh Erzherzog Ferdinand von Österreich dem Dorf einen eigenen Wappenbrief. Nach der napoleonischen Neuordnung kam Sipplingen 1805 an Württemberg und 1810 an Baden, 1973 wurde es Teil des neu geschaffenen Bodenseekreises. Für sein gepflegtes Ortsbild wurde Sipplingen 1987 mit einer Goldmedaille im Bundeswettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden" ausgezeichnet.
Wasser und Wald bestimmen hier das Landschaftsbild und sorgen für eine besonders ruhige Atmosphäre, wie man sie in den größeren Uferorten selten findet. Der kleine historische Ortskern, dessen Gesamtanlage unter Denkmalschutz steht, lädt mit seinem Hafen zu einem beschaulichen Spaziergang ein. Die gotische Pfarrkirche St. Martin mit ihrem barock gestalteten Innenraum prägt bis heute das Ortsbild; bis zu ihrer Aufhebung 1782 unterhielten die Franziskanerinnen zudem ein Kloster im Ort.
Bildquelle: Foto: ANKAWÜ, „D-BW-Sipplingen - Köstenerberg1“ auf Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0, Ausschnitt)
Der Höchsten ist mit rund 834 Metern der höchste Punkt am gesamten deutschen Bodenseeufer und zugleich der höchste Berg zwischen Bodensee und Donau. Ein Aussichtsturm auf dem Gipfel eröffnet bei klarer Sicht einen weiten Blick über den See bis zu den Alpen. Rund um den Turm führt der rund einen Kilometer lange Mundartweg mit „Promipfad", auf dem alemannische Redewendungen und Sprüche zu entdecken sind. Wanderer erreichen den Höchsten über mehrere markierte Routen, etwa den rund zehn Kilometer langen Blütenweg, der oberhalb von Sipplingen durch Wälder, Wiesen und blühende Obstgärten führt und dabei auch einen geologischen Lehrpfad streift.
Ein Rundweg entlang der Uferzone sowie Wanderungen hinauf zum Höchsten machen Sipplingen zu einem lohnenden Ziel für alle, die Erholung abseits größerer Orte suchen. Die umliegenden Weinberge laden zudem zu Spaziergängen mit Seeblick ein. Gleich drei Naturschutzgebiete liegen auf Sipplinger Gemarkung — Hödinger Tobel, Köstenerberg und das Sipplinger Dreieck —, ergänzt durch das Landschaftsschutzgebiet Bodenseeufer. Ein besonderes Naturdenkmal ist die rund 45 Meter hohe Hildegardlärche, die bereits 1739 gepflanzt wurde und zu den mächtigsten Lärchen Deutschlands zählt.
Am Sipplinger Berg betreibt die Bodensee-Wasserversorgung eines der größten Wasserwerke Deutschlands: Hier wird Trinkwasser direkt aus dem See entnommen und aufbereitet, das anschließend rund vier Millionen Menschen in Baden-Württemberg versorgt — ein Grund, warum die Wasserqualität des Sees an dieser Stelle besonders genau überwacht wird.
Der Bildhauer Johann Josef Auer (1666–1739), der zahlreiche Kirchen der Region mit seinen Arbeiten ausstattete, wurde in Sipplingen geboren. Von 1937 bis zu seinem Tod 1954 lebte zudem der Komponist Walter Braunfels zurückgezogen in der Süßenmühle bei Sipplingen — ein Hinweis darauf, dass der beschauliche Ort schon früh Künstler und Kreative angezogen hat, die Ruhe und Naturnähe suchten.
Die Weinberge rund um Sipplingen liefern regionalen Wein, den man in kleinen Straußwirtschaften direkt bei den Winzern probieren kann, während der See für frischen Fisch sorgt. Historisch spielte auch der Obstbau eine große Rolle im Ort: Kirschen, Zwetschgen, Mirabellen und Äpfel aus den Streuobstwiesen rund um Sipplingen werden bis heute zu Bränden und Most verarbeitet — nicht umsonst waren um 2011 noch rund 26 Kleinbrennereien im Ort gemeldet.
Der kleine Ort mit rund 2.100 Einwohnern eignet sich besonders für alle, die einen ruhigen, naturnahen Standort mit direktem Seezugang suchen, ohne auf die Nähe zu größeren Orten wie Überlingen verzichten zu müssen. Zwei kleine Yachthäfen sowie ein Abschnitt des Bodensee-Radwegs machen den Ort auch für Wassersportler und Radfahrer zu einem praktischen Standort.
Von Frühling bis Herbst laden die Wanderwege rund um den Höchsten zu Ausflügen ein, während der kleine Ort auch außerhalb der Hauptsaison seinen ruhigen Charme behält.
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