Hagnau zählt mit nur rund 2,9 Quadratkilometern zu den kleinsten selbstständigen Gemeinden am deutschen Bodenseeufer und ist zugleich eine der traditionsreichsten Weinbaugemeinden der Region — ein Ort, an dem sich Genuss und Erholung unmittelbar am Wasser verbinden.
Erstmals urkundlich erwähnt wurde Hagnau am 24. Januar 1152 in einer päpstlichen Urkunde, doch archäologische Funde belegen eine Besiedlung der sogenannten Hagnau-Burg bereits um 1050 vor Christus in der späten Bronzezeit. Im Mittelalter wechselte der Ort mehrfach den Besitzer — von den Welfen über verschiedene Klöster —, bevor er 1806 an das Großherzogtum Baden fiel.
Sanfte Rebhänge ziehen sich bis unmittelbar an den See heran, historische Winzerhöfe prägen das Ortsbild, und der Weinbau in Hagnau lässt sich urkundlich bis ins Mittelalter zurückverfolgen. Der 1881 auf Initiative des Pfarrers und Schriftstellers Heinrich Hansjakob gegründete Winzerverein Hagnau gilt als älteste Winzergenossenschaft Badens und bewirtschaftet mit rund 170 Hektar die größte zusammenhängende Rebfläche am Bodensee. Zahlreiche Straußwirtschaften, in denen die Winzerfamilien ihren eigenen Wein direkt ausschenken, laden von Frühjahr bis Herbst zu geselligen Stunden ein.
Bildquelle: Foto: Günter Wieschendahl, „Hagnau am Bodensee“ auf Wikimedia Commons (gemeinfrei)
Die Pfarrkirche St. Johann Baptist vereint einen romanischen Turm, einen gotischen Chor und ein barockes Langhaus und zählt zu den architektonisch interessantesten Kirchen am See. Rund um den Ort haben sich mehrere ehemalige Klosterhöfe aus dem 17. und 18. Jahrhundert erhalten, die einst zu verschiedenen Bodensee-Klöstern gehörten. An die Schriften Heinrich Hansjakobs erinnert die bronzene Schneeballensäule im Ortskern. Ein besonderes Zeugnis der Weinbaugeschichte ist der historische Torkel von 1747, die letzte von einst 26 Traubenpressen im Ort, die 1976 vom Winzerverein Hagnau gestiftet und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde.
Neben dem Weinbau prägt bis heute die Berufsfischerei den Alltag am Wasser: Mehrere Fischerboote sind in den beiden Hafenbecken Hagnaus beheimatet. Am Westhafen bei der Schiffsanlegestelle ist erst kürzlich ein neuer Hafen mit Liegeplätzen für Gastboote entstanden, während im kleineren Osthafen eine Bootsvermietung mit Tretbooten und Motorbooten für Ausflüge auf den See zur Verfügung steht. Der lokale Fang, allen voran die Bodensee-Felchen, landet häufig noch am selben Tag auf den Tellern der Hagnauer Gasthäuser oder wird direkt am Hafen verkauft.
Die kurze, aber lebendige Uferpromenade mit Blick auf die Alpen zählt zu den schönsten am See, besonders bei Sonnenuntergang. Wer es ruhiger mag, findet in den Weinbergen oberhalb des Orts idyllische Wanderwege mit weitem Seeblick. Der kleine Hafen ist zudem ein beliebter Ausgangspunkt für Ausflüge mit dem eigenen Boot oder gemieteten Tretbooten. Der rund vier Kilometer lange Obst- und Weinwanderweg führt mit 25 Informationstafeln durch die Reben und Streuobstwiesen oberhalb des Orts bis zum Aussichtspunkt Wilhelmshöhe, von dem sich bei klarer Sicht neben dem See auch die Alpenkette mit dem markanten Säntis überblicken lässt.
Dank der zentralen Lage zwischen Meersburg und Friedrichshafen lassen sich von Hagnau aus viele weitere Ziele am nördlichen Bodenseeufer bequem mit dem Rad oder Schiff erreichen. In kalten Wintern, wenn der See zufriert, lebt in Hagnau zudem die Tradition der Seegfrörne-Prozessionen wieder auf, die urkundlich bis ins Jahr 1573 zurückreicht.
Die Weinlese im Herbst ist eine besonders stimmungsvolle Zeit für einen Besuch — dann duftet es im ganzen Ort nach frisch gepresstem Most, und viele Straußwirtschaften haben besonders lange geöffnet. Aber auch im Sommer, wenn die Reben in voller Blüte stehen, zeigt sich der Ort von seiner schönsten Seite.
Die direkte Nachbarschaft zu Meersburg mit seiner historischen Altstadt und zu Immenstaad mit seinen Stränden macht Hagnau zu einem guten Ausgangspunkt für Tagesausflüge entlang des nördlichen Bodenseeufers.
Blick durch die Parkanlage an der Uferpromenade auf den Bodensee im Weinort Hagnau.
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