Bildquelle: Foto: Bybbisch94 / Christian Gebhardt, „Stockach, Kirche St. Michael 011“ auf Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0, Ausschnitt)
Stockach liegt zentral im Hegau, rund fünf Kilometer nordwestlich des Bodensees, und war über Jahrhunderte ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt zwischen See, Hegau und Donautal — bis heute ein günstiger Ausgangspunkt für Ausflüge in die gesamte Region.
Erstmals urkundlich erwähnt wurde die Siedlung um 1150 als „Stocka"; nach 1250 verlegte Graf Mangold II. von Nellenburg den Ort auf eine Anhöhe und gründete eine planmäßig angelegte Stadt, deren Stadtrecht am 10. August 1283 urkundlich bestätigt wurde. Über Jahrhunderte war Stockach Gerichts- und Verwaltungssitz der Landgrafschaft Nellenburg, ehe die Grafschaft 1465 an die Habsburger verkauft wurde und Stockach bis zum Ende des Heiligen Römischen Reichs 1805 zu Vorderösterreich gehörte. Schon im frühen 16. Jahrhundert besaß die Stadt eine Poststation an bedeutenden europäischen Linien wie Wien–Paris und Stuttgart–Zürich, und der Überlieferung nach machte 1770 sogar die junge Marie-Antoinette auf ihrer Reise nach Frankreich hier Station. Nach schweren Zerstörungen im Spanischen Erbfolgekrieg wurde die Stadt wieder aufgebaut, ehe sie am 25. März 1799 erneut Schauplatz von Kämpfen wurde: In der Schlacht bei Stockach, einer der größeren Schlachten der Koalitionskriege, zwangen österreichische Truppen die französische Armee zum Rückzug. 1805 fiel Stockach kurzzeitig an Württemberg, 1810 endgültig an Baden.
Bekannt ist Stockach weit über die Region hinaus für sein Narrengericht, eine der urigsten Fastnachtstraditionen Süddeutschlands. Der Sage nach geht der Brauch auf Kuoni von Stocken zurück, den Hofnarren des Habsburger Herzogs Leopold, der diesem in der Schlacht bei Morgarten 1315 mit gutem Rat zur Seite stand — als Dank soll Herzog Albrecht der Stadt Stockach 1351 ein besonderes Privileg verliehen haben. Bis heute wird an „Schmotzigem Dunschtig", dem Donnerstag vor Aschermittwoch, in der Jahnhalle vor rund 1.200 Zuschauern öffentlich Gericht gehalten: Ankläger und Verteidiger wählen sich jeweils eine Persönlichkeit aus Bundes- oder Landespolitik als „Angeklagten" und tragen einen humorvollen Schauprozess aus, der vom SWR-Fernsehen übertragen wird. Seit 1960 mussten sich bereits zahlreiche prominente Politiker wie Angela Merkel, Frank-Walter Steinmeier, Joschka Fischer und Franz Josef Strauß dem Hohen Narrengericht stellen.
Bildquelle: Foto: Bybbisch94 / Christian Gebhardt, „Stockach - Melanchthonkirche 011“ auf Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0, Ausschnitt)
Die historische Oberstadt, einst von einer Stadtmauer umgeben, lädt mit ihren Fachwerkhäusern und erhaltenen Stadttoren zu einem entspannten Bummel ein; Informationstafeln an den Gebäuden erzählen von deren wechselvoller Nutzung durch die Jahrhunderte. Das Wahrzeichen der Stadt ist die katholische Pfarrkirche St. Oswald mit ihrer markanten Barockzwiebelhaube, die zwischen 1707 und 1728 erbaut wurde und dem Stadtbild bis heute seine charakteristische Silhouette verleiht. Hoch über der Stadt thronen die Ruinen der Nellenburg auf 613 Metern, der einstigen Stammburg der Grafen von Nellenburg, die dem Ort seinen Namen und seine Geschichte als Verwaltungssitz gaben.
Von Stockach aus sind sowohl der Bodensee als auch der Hegau mit seinen markanten vulkanischen Kegelbergen wie dem Hohentwiel gut zu erreichen, was die Stadt zu einem praktischen Standort für Ausflüge in unterschiedliche Richtungen macht. Die hügelige Landschaft des Linzgau und die Wälder rund um die Nellenburg eignen sich gut für Wanderungen und Radtouren, während die Nähe zum Bodensee-Radweg auch längere Touren entlang des Ufers ermöglicht.
Mehrere traditionelle Gasthäuser in der Altstadt servieren oberschwäbische Küche mit Gerichten wie Maultaschen und Zwiebelrostbraten, während die umliegende Landwirtschaft des Hegau für regionale Produkte sorgt. Auf Wochenmärkten und in Hofläden der Umgebung lassen sich Spezialitäten direkt von den Erzeugern der Region einkaufen.
Seit 1996 verbindet die Museumsbahn Seehäsle Stockach mit Radolfzell und dem Bodensee-Ufer, eine beliebte Attraktion für Eisenbahnfreunde. Ende des 19. Jahrhunderts siedelten sich mit Unternehmen wie Schiesser und Fahr bedeutende Industriebetriebe in der Stadt an, die Stockach über die Textil- und Landmaschinenindustrie hinaus bekannt machten. Die Anbindung an die Bundesstraßen 14 und 31 sowie die Bundesautobahn 98 macht Stockach zudem zu einem verkehrsgünstig gelegenen Standort.
Neben dem Hegau lohnt auch ein Ausflug in die nahen Städte Radolfzell und Singen sowie an den Untersee, die von Stockach aus in kurzer Zeit erreichbar sind. Auch der Bodensee selbst mit seinen Uferorten liegt nur eine kurze Fahrt entfernt, sodass sich ein Aufenthalt in Stockach gut mit Tagesausflügen an den See verbinden lässt.
Panoramablick über Stockach und das Hegau.
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Ja, die Webcam Stockach zeigt das aktuelle Live-Bild. Sie finden sie auf dieser Seite und unter Webcams am Bodensee.