Rorschach liegt in einer der reizvollsten Uferlandschaften des Kantons St. Gallen, eingerahmt von Reben und mit freiem Blick auf den See und die Alpen.
Erstmals bezeugt ist Rorschach im Jahr 850, doch richtig an Bedeutung gewann der Ort 947, als König Otto I. dem Abt des Klosters St. Gallen für Rorschach das Markt-, Münz- und Zollrecht verlieh. Als Hafen des Fürstabts von St. Gallen entwickelte sich Rorschach über Jahrhunderte zu einem der wichtigsten Handelsplätze am Bodensee, was bis heute an der kompakten, dicht bebauten Altstadt ablesbar ist — mit nur 1,78 Quadratkilometern Fläche zählt Rorschach zu den kleinsten Städten der Schweiz. Eine kuriose Fußnote der Stadtgeschichte: 1597 erschien hier mit dem „Annus Christi" mutmaßlich die erste periodisch erscheinende Zeitung der Welt.
Das historische Kornhaus am Hafen, ein imposanter barocker Getreidespeicher, wurde zwischen 1746 und 1749 nach Plänen des Architekten Johann Caspar Bagnato für den St. Galler Fürstabt Cölestin Gugger errichtet und war einst Umschlagplatz für Getreide aus der ganzen Ostschweiz. Es zählt bis heute zu den markantesten Bauwerken am Ufer und beherbergt als „Museum im Kornhaus" eine Ausstellung zur Urgeschichte, Stadtentwicklung und Industriegeschichte der Region. Die Altstadt mit ihren stattlichen Bürgerhäusern erzählt von der einstigen Bedeutung Rorschachs als bedeutende Handelsstadt am See, während der Jakobsbrunnen als traditioneller Ausgangspunkt des Jakobswegs nach Santiago de Compostela gilt.
Ein architektonischer Kontrapunkt zur historischen Altstadt ist das zwischen 2009 und 2013 nach Plänen der Zürcher Architekten Gigon/Guyer errichtete Würth-Haus im Quartier „Neuseeland": Das Verwaltungs- und Ausbildungszentrum mit Kongresssaal beherbergt auch das Kunstmuseum Forum Würth, das seit der Eröffnung 2013 durch Reinhold Würth wechselnde Ausstellungen zeitgenössischer und klassischer Kunst zeigt — ein lohnender Programmpunkt auch für Kunstinteressierte, die eigentlich wegen des Sees nach Rorschach kommen.
Neben dem Hafen prägten lange auch Industriebetriebe die kleine Stadt: Aluminiumwerke, eine Maschinenstickerei-Fabrik und eine Konservenfabrik sorgten im 19. und 20. Jahrhundert für Arbeitsplätze am Ufer. Besondere Bekanntheit erlangte die Firma Frisco, die 1960 als erste in der ganzen Schweiz industriell hergestelltes Speiseeis auf den Markt brachte und Rorschach damit zu einem Pionierstandort der Schweizer Eiscremeherstellung machte. Bis heute ist die Stadt zudem Sitz von Bildungseinrichtungen wie der Pädagogischen Hochschule St. Gallen und einer Hochschule für Logopädie, die dem sonst vom Handel geprägten Ort ein zusätzliches, junges Standbein geben.
Die lange Seepromenade lädt zum Flanieren ein und verbindet Rorschach mit den benachbarten Ufergemeinden. Die umliegenden Rebhänge prägen nicht nur das Landschaftsbild, sondern laden auch zu Wanderungen mit Panoramablick über den See ein. Vom Hafen aus führt die Rorschach-Heiden-Bergbahn hinauf ins Appenzeller Vorderland nach Heiden, von wo aus sich der Blick weit über den See und die vorgelagerten Alpengipfel öffnet. Seit 2012 sorgt zudem der 30 Meter hohe „Stadtbalkon" für einen zusätzlichen Aussichtspunkt über die Dächer der Altstadt, und mit Kursschiffen der Weissen Flotte lassen sich von Rorschach aus bequem auch die Nachbarorte am See erkunden.
Die Rebhänge rund um Rorschach liefern die Grundlage für lokalen Wein, den man in mehreren Weinstuben der Altstadt verkosten kann, ergänzt durch frischen Bodensee-Fisch in den Restaurants am Hafen. Auch die traditionsreiche Brautradition lebt fort: Nach der Schließung der alten Brauerei Löwengarten 2006 braut seit 2007 die Kornhausbräu direkt am Hafen wieder Bier vor Ort.
Der Bahnhof Rorschach zählt zu den traditionsreichen Knotenpunkten der Schweizerischen Bundesbahnen und macht die Stadt zu einem praktischen Ausgangspunkt, um weitere Ziele rund um den Bodensee auch ohne eigenes Auto zu erkunden. Alljährlich verwandelt ein internationales Sandskulpturen-Festival den Hafen in eine Freiluftgalerie kunstvoll geformter Sandfiguren. Auch der Schauspieler Emil Jannings, 1929 als erster Schauspieler überhaupt mit einem Oscar ausgezeichnet, wurde 1884 in Rorschach geboren.
Die Weinlese im Herbst ist eine besonders stimmungsvolle Zeit für einen Besuch, während die lange Seepromenade das ganze Jahr über zu Spaziergängen mit Alpenblick einlädt.
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