Weingarten beherbergt mit der Basilika St. Martin die größte Barockkirche nördlich der Alpen — ein imposanter Bau, der von der einstigen Bedeutung der Stadt als Sitz einer der reichsten Benediktinerabteien des Heiligen Römischen Reichs zeugt.
Die Ursprünge der Siedlung reichen bis ins 5. Jahrhundert zurück, ihre Bedeutung erlangte der Ort jedoch vor allem durch das Kloster: Um das Jahr 900 entstand in Altdorf zunächst ein Frauenkloster, das Welf I., Herzog von Bayern, 1047 mit Benediktinermönchen aus dem Kloster Altomünster neu besetzte. 1274 wurde das Kloster zur Reichsabtei erhoben und erwarb in der Folge ein Territorium von rund 300 Quadratkilometern, das sich vom Allgäu bis zum Bodensee erstreckte — damit zählte Weingarten zu den reichsten Klöstern Süddeutschlands. Als Grablege der Welfen, einer der mächtigsten Adelsdynastien des Mittelalters, war die Abtei zugleich ein bedeutendes dynastisches Zentrum. Im Zuge der Säkularisation zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde die Reichsabtei aufgelöst; die imposante Basilika mit ihrer reichen barocken Innenausstattung ist bis heute das architektonische Herzstück der Stadt.
Die zwischen 1715 und 1724 errichtete Basilika ist mit 102 Metern Länge fast genau halb so groß wie der Petersdom in Rom und wird deshalb auch als „Schwäbisches St. Peter" bezeichnet — ihr weiter Innenraum entfaltet trotz der geringeren Größe eine ganz ähnliche Raumwirkung. Ihr Innenraum beherbergt mit der Gabler-Orgel von 1750 eines der bedeutendsten Meisterwerke des süddeutschen Orgelbaus: Das von Joseph Gabler geschaffene Instrument verfügt über 66 Register und der Legende nach 6.666 Pfeifen, ergänzt um Spielereien wie Kuckucksruf, Nachtigallenschlag und Glockenspiel.
Bildquelle: Foto: Andreas Faessler, „Basilika weingarten2“ auf Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0, Ausschnitt)
Der Überlieferung nach brachte die Welfin Judith die Reliquie des Heiligen Blutes 1094 nach Weingarten, damals Hauptresidenz der Welfen. Seit 1090 wird sie am Freitag nach Christi Himmelfahrt in einer feierlichen Prozession durch die Stadt getragen — dem heutigen Blutritt, der als größte berittene Prozession Europas gilt. Nach einem Verbot im Jahr 1812 findet der Umritt seit 1849 wieder ununterbrochen statt: Mehrere Tausend Reiter in traditioneller Kleidung ziehen jedes Jahr durch die Straßen und sorgen für internationale Aufmerksamkeit. Der Umritt beginnt traditionell früh am Morgen und führt in einem mehrstündigen Zug durch die Straßen der Stadt und die umliegenden Fluren, begleitet von Musikkapellen und Vereinen in historischen Trachten.
Nach der Säkularisation dienten die ehemaligen Klostergebäude ab 1949 zunächst dem Reutlinger Pädagogischen Institut, seit 1962 der Pädagogischen Hochschule Weingarten, die bis heute Lehrerinnen und Lehrer ausbildet. Zusammen mit der Hochschule Ravensburg-Weingarten für Technik, Wirtschaft und Sozialwesen bringt sie studentisches Leben in die sonst beschauliche Stadt, die mit rund 25.000 Einwohnern seit 1974 den Rang einer Großen Kreisstadt trägt.
Auch außerhalb dieser besonderen Termine lohnt ein Besuch der historischen Altstadt rund um die Basilika mit ihren Cafés und Geschäften sowie ein Spaziergang durch die weitläufige, einst klösterliche Anlage mit ihren Konventsgebäuden. Der Bodensee ist von Weingarten aus mit dem Auto in rund 20 Minuten erreichbar, sodass sich Kultururlaub und Seeurlaub gut kombinieren lassen, während auch Ravensburg und Friedrichshafen als Ausflugsziele in der Nähe liegen.
Rund um die Basilika und den Münsterplatz laden mehrere Cafés und Restaurants zum Verweilen ein, während die oberschwäbische Küche mit traditionellen Gerichten wie Maultaschen, Kässpätzle und Zwiebelrostbraten die Speisekarten prägt. Auch Wochenmärkte in der Innenstadt bieten regionale Produkte aus dem Umland.
Die Nähe zu Ravensburg mit seiner „Stadt der Türme" macht Weingarten zu einem guten Ausgangspunkt, um beide Städte und ihre unterschiedlichen Sehenswürdigkeiten in einem Aufenthalt zu verbinden. Auch Friedrichshafen mit seinem Zeppelin-Museum und der Bodensee selbst sind von Weingarten aus in rund 20 Minuten mit dem Auto erreichbar. Wer die Natur sucht, findet im nahen Altdorfer Wald, einem der größten zusammenhängenden Waldgebiete Oberschwabens, ausgedehnte Wandermöglichkeiten abseits des Trubels.
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