Bildquelle: Foto: Tilda, „MünsterRadolfzell“ auf Wikimedia Commons (gemeinfrei)
Radolfzell liegt auf einer Halbinsel zwischen dem Untersee und dem Zeller See, dem westlichen Ausläufer des Bodensees, und gilt vielen als eine der schönsten und zugleich am wenigsten überlaufenen Altstädte am ganzen See.
Gegründet wurde Radolfzell um das Jahr 826 durch den Bischof Radolf von Verona als geistliche Siedlung um eine Reliquienkapelle — damit zählt die Stadt zu den ältesten Siedlungen im gesamten Bodenseeraum. Bereits um 1100 erhielt der Ort ein eigenes Markt- und Bodenrecht, dessen Urkunde als eine der frühesten dieser Art in ganz Südwestdeutschland gilt; die förmlichen Stadtrechte folgten 1267. 1298 verkaufte der Konstanzer Bischof die Stadt an die Habsburger, unter deren Herrschaft Radolfzell dank seiner Lage zwischen zwei Seeteilen zu einer bedeutenden Handels- und Fischerstadt heranwuchs. Im Bauernkrieg scheiterte 1525 eine wochenlange Belagerung der Stadt durch aufständische Bauern unter Hans Müller von Bulgenbach. Nach napoleonischer Zeit kam Radolfzell 1806 an Württemberg und 1810 an das Großherzogtum Baden. Zur heutigen Größe wuchs die Stadt erst 1975 durch die Eingemeindung von sechs umliegenden Dörfern, seither trägt sie den Titel Große Kreisstadt.
Das Münster Unserer Lieben Frau mit seinen markanten Türmen prägt bis heute die Silhouette der Altstadt und ist das höchste Bauwerk der Stadt; der spätgotische Bau entstand im Kern zwischen 1436 und 1550, der heutige Münsterturm wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts vollendet und misst 82 Meter — damit ist er der höchste Kirchturm am gesamten Bodensee. Im Inneren sind eine bemerkenswerte Kreuzigungsgruppe des Bildhauers Hans Schenck sowie die Reliquien der drei Radolfzeller Stadtpatrone zu sehen. Die Gassen und Bürgerhäuser rund um das Münster erzählen von der langen Geschichte als Handels- und Fischerstadt — im Viertel Grienen Winkel wurden liebevoll restaurierte historische Fischerhäuser erhalten. Der Marktplatz mit seinem historischen Brunnen ist bis heute lebendiger Treffpunkt für Einheimische und Gäste, und rundherum laden Cafés und kleine Läden zum Bummeln ein.
Bildquelle: Foto: Johannes D., „Radolfzell uferpromenade 2“ auf Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0, Ausschnitt)
Die vorgelagerte Mettnau-Halbinsel ist als Kur- und Erholungsgebiet weit über Radolfzell hinaus bekannt: Große Teile stehen unter Naturschutz und bieten von mehreren Beobachtungspunkten — darunter der Mettnau-Turm — Einblicke in die Lebensräume seltener Tier- und Pflanzenarten. Der weitläufige Mettnau-Park lädt zu ausgedehnten Spaziergängen ein. Bereits 1876 erwarb der Schriftsteller Joseph Victor von Scheffel das „Mettnauer Gut" und ließ es im Stil der Neorenaissance zu einem kleinen Schlösschen umbauen, das bis heute an seinen prominenten einstigen Bewohner erinnert. Auf der Halbinsel forschte lange auch die traditionsreiche Vogelwarte Radolfzell, deren Wurzeln bis zur 1901 gegründeten Vogelwarte Rossitten in Ostpreußen zurückreichen; seit ihrer Verlegung 1946 an den Bodensee und der Übernahme durch die Max-Planck-Gesellschaft 1959 gilt sie als eine der bedeutendsten Forschungseinrichtungen für Vogelzug in Europa — ein Grund, warum Naturbeobachter Radolfzell besonders schätzen.
Die Lage zwischen zwei Seeteilen sorgt für ungewöhnlich vielseitige Uferlandschaften — von belebten Hafenpromenaden bis zu ruhigen Naturschutzgebieten mit einer Kneipp-Anlage. Insgesamt zehn Naturschutzgebiete liegen auf Radolfzeller Stadtgebiet, darunter neben der Mettnau auch der Mindelsee und die Radolfzeller Aachmündung, beides Rückzugsräume für seltene Wasservögel. Der Bodensee-Radweg führt direkt durch Radolfzell und verbindet die Stadt mit der Halbinsel Höri und dem Hegau, sodass sich Ausflüge in beide Richtungen unkompliziert mit dem Aufenthalt in der Stadt verbinden lassen. Auch mit dem Schiff ist Radolfzell an das Liniennetz der Bodensee-Schiffsbetriebe angebunden, was Tagesausflüge nach Konstanz oder auf die Insel Reichenau erleichtert.
In den Restaurants an der Uferpromenade und rund um den Marktplatz kommt häufig Fisch aus dem Bodensee auf den Tisch, allen voran Felchen und Barsch. Der Wochenmarkt in der Altstadt bietet regionales Obst und Gemüse aus dem Hegau und vom Bodenseeufer, das für seinen Obstanbau bekannt ist.
Radolfzell gilt vielen als Geheimtipp unter den Bodensee-Städten — landschaftlich und historisch ebenso reizvoll wie Konstanz oder Meersburg, dabei aber spürbar ruhiger und weniger von Tagestouristen geprägt. Als Eisenbahnknotenpunkt, an dem sich Hochrheinbahn und die Strecke nach Mengen treffen, ist die Stadt zudem hervorragend angebunden; seit 2023 hält hier sogar ein ICE auf der Linie Hamburg–Konstanz. Mit rund 32.000 Einwohnern ist Radolfzell die drittgrößte Stadt am Bodensee und trägt als einzige Stadt am See offiziell den Zusatz „am Bodensee" in ihrem Namen.
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