Bildquelle: Foto: Rufus46, „St. Hippolyt und Verena Oehningen-2“ auf Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0, Ausschnitt)
Öhningen liegt auf der Halbinsel Höri am Untersee und ist als größte Gemeinde der Halbinsel geprägt von Landwirtschaft, einem bedeutenden Klosterensemble und der ruhigen Lage direkt am Wasser.
Erstmals urkundlich erwähnt wird Öhningen im Jahr 788, als ein Mann namens Iringus in einer Schenkungsurkunde seinen Besitz in Öhningen dem Kloster St. Gallen übertrug — „zum Heil seiner Seele", wie es in der Urkunde heißt. Die eigentliche Klostergründung folgte 965, als Graf Kuno von Öhningen ein Kloster zu Ehren der Heiligen Peter, Paul und Hippolyt stiftete. Ab 1378 wurde die Propstei als Augustiner-Chorherrenstift fortgeführt, das im Zuge der Säkularisation zwischen 1803 und 1805 endgültig aufgehoben wurde. Die heutige Gemeinde in ihrer jetzigen Form entstand erst 1975 durch die Vereinigung von Öhningen und Wangen sowie die Eingemeindung von Schienen.
Die Gebäude des ehemaligen Chorherrenstifts und die dazugehörige Klosterkirche St. Hippolyt und Verena mit ihrem markanten Zwiebelturm prägen bis heute das Ortsbild und gelten als Wahrzeichen der Gemeinde. Die erhaltenen Kloster- und Kirchengebäude stammen größtenteils aus dem 17. Jahrhundert und beherbergen heute unter anderem das Pfarrhaus, Gemeinderäume, Wohnungen und Künstlerateliers. In der Umgebung lohnen sich gleich mehrere Ausflüge: die über 1.000 Jahre alte, frühromanische Wallfahrtskirche St. Genesius im Ortsteil Schienen, die in ihrer ursprünglichen architektonischen Schlichtheit restauriert wurde, die evangelische Petruskirche oberhalb von Kattenhorn mit ihren von Otto Dix gestalteten Glasfenstern, sowie das erstmals 1395 urkundlich erwähnte Schloss Oberstaad. Als geologische Besonderheit gilt zudem der Verrucano-Findling, ein seit 2002 als Naturdenkmal ausgewiesener Gesteinsblock, der von der eiszeitlichen Vergangenheit der Region erzählt.
Bildquelle: Foto: ANKAWÜ, „D-BW-KN-Öhningen-Wangen - Pfahlbauhaus 002“ auf Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0, Ausschnitt)
Vor der Küste Öhningens liegen prähistorische Pfahlbausiedlungen, die gemeinsam mit weiteren Fundstätten rund um die Alpen zum UNESCO-Weltkulturerbe zählen. Zeugnisse dieser jahrtausendealten Besiedlungsgeschichte sowie Fossilienfunde, die bereits im Mittelalter von Mönchen des Klosters in örtlichen Steinbrüchen entdeckt und ab dem frühen 18. Jahrhundert wissenschaftlich beschrieben wurden, sind im Museum „Fischerhaus" im Ortsteil Wangen zu besichtigen.
Das bereits 1961 ausgewiesene Naturschutzgebiet Bodenseeufer erstreckt sich über rund 106 Hektar entlang eines im Schnitt 400 Meter breiten Uferstreifens und schützt Schilfröhricht, Streuwiesen und artenreiche Pfeifengraswiesen — ein wichtiger Rückzugsort für seltene Pflanzen- und Vogelarten direkt vor den Toren des Ortes. Ein grenzüberschreitender Erlebnispfad entlang des Ufers verbindet Öhningen mit dem schweizerischen Stein am Rhein und macht die Vielfalt des Schutzgebiets für Wanderer anschaulich erlebbar.
Streuobstwiesen und Rebhänge prägen die Landschaft rund um Öhningen und machen die Gemeinde zu einer der ruhigeren auf der Höri. Die Uferwege der Halbinsel laden zu ausgedehnten Spaziergängen und Radtouren ein, mit stets wechselnden Blicken auf den Untersee. Die Nachbargemeinde Gaienhofen mit ihren Hermann-Hesse-Gedenkstätten ist von Öhningen aus in kurzer Zeit zu erreichen — ein lohnendes Ziel für einen literarisch geprägten Ausflug.
Neben dem Hauptort gehören die früher selbstständigen Gemeinden Wangen und Schienen sowie die kleineren Weiler Kattenhorn und Endorf zu Öhningen. Jeder dieser Ortsteile hat seinen eigenen Charakter bewahrt, von den Fossilienfunden in Wangen bis zur Wallfahrtskirche in Schienen, sodass ein Aufenthalt in Öhningen stets auch Gelegenheit zu kleinen Entdeckungstouren innerhalb der Gemeinde bietet.
Mit rund 3.500 Einwohnern ist Öhningen zwar die größte Gemeinde der Höri, bewahrt sich aber dank seiner ländlichen Struktur einen ruhigen, unaufgeregten Charakter, der sich deutlich von den belebteren Uferorten am Bodensee unterscheidet. Dank seiner zentralen Lage auf der Halbinsel eignet sich Öhningen gut als Standort, von dem aus sich die gesamte Höri mit ihren Dörfern, Wallfahrtskirchen und Uferwegen bequem erkunden lässt.
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